Review Magazin Royale (1): Ach du scheiße, die Show mit dem Blassendünnenjungen geht wieder los.

Blasserdünnerjunge

Das Neo Magazin Royale meldet sich zurück aus der Sommerpause – und zwar standesgemäß. In dieser neuen Reihe werde ich die Shows von Janni und seinen fleißigen Helferlein aus der bildundtonfabrik Revue passieren lassen. Was eignet sich als Einstieg besser als dieser fulminante Start nach der Sommerpause? Mehr wie immer nach dem Sprung.

Bild via Neo Magazin Royale, FB, © btf GmbH, ZDFneo

Eine Warnung vorab: Dies ist mein erstes Review der Show. Das Format hier ist noch ein wenig unausgereift und wird sich wohl die nächsten Wochen und Monate weiterentwickeln. Am lebendigen Objekt, quasi.

Mann, Mann, Mann. Was für eine Show. Nachdem die drei Monate Sommerpause dieses Jahr wie im Flug vergingen, kehrt Jan Böhmermann mit seinem Format zurück an seinen angestammten Sendeplatz im Zweiten Deutschen Internet (mal ehrlich, lineares Fernsehen ist doch was für Rentner, oder?) und liefert uns eine neue Ausgabe seines zur Institution gewordenen Neo Magazin Royales. Und bereits bevor die ersten Takte der mit Fatboy-Slim-Samples bestückten Titelmelodie aus den Boxen summen, wird die Gelegenheit ausgiebig genutzt, um sein bisheriges Schaffen in einem mit (Fake-) Zitaten gespickten Medienausblick zusammenzufassen. Nach seinem Schmähgedicht und den dazugehörigen Konsequenz kamen selbst weder der US-Nachrichtensender CNN, noch die großartige satirische Nachrichtensendung Last Week Tonight with John Oliver um eine Erwähnung des deutschen Pendants zu Jimmy Fallon herum. So insgesamt wirklich beachtlich, was dieses kleine Spartenmagazin, wie Jan die Show gerne bezeichnet, erreicht hat. Das weckt bereits jetzt die Neugier, was er und sein btf-Team wohl für uns vorbereitet haben.

Nachdem auch die letzten Takte, die an das alte ZDF Magazin erinnern, verklungen sind, tritt Böhmermann auf die Bühne. Rasiert, so dass er noch blasser, noch dünner und noch jünger wirkt, als man es eh schon gewohnt ist. Wie üblich fängt er gleich mit dem Standup-Part an, und wie üblich, war dieser ein wenig durchwachsen. Insgesamt gab es schon deutlich schlechtere. Die Wortspiele über die Namen von deutschen Hoppstern (oder Raper? Oder wie war das nochmal?) gehören mit zu den Höhepunkten, ein paar Tiefschläge wie die Kommentare zu Gina-Lisa Lohfinks Verurteilung und der gesamten Geschichte hätte er sich jedoch durchaus sparen können. „Ob sie will oder nicht“ geht in meinen Augen leider noch schon ein wenig unter die Gürtellinie und propagiert schon beinahe Vergewaltigungskultur. Vielleicht bin ich da jedoch auch zu sensibel, das Publikum schien davon nicht gestört.

Wie auch in beinahe jeder Show folgt darauf ein wenig Geplänkel mit Dendemann, der dann mit dem dieswöchigen Rappening sich und seine Freien Radikale auf hervorragende Weise zurückmeldet, indem er den Sommerhit Ahnma der Beginner auf seine wie immer eigene Art und Weise umtextet und zur Schau stellt. Lyrisch wie oft an ein Meisterwerk grenzend. Mir sind vor allem die Zeile „Alles Satire heutzutage, doch die Echte kommt wieder aus der Sparte“ und der textuelle Seitenhieb auf Eizi „Ohne Sonnenbrille, wie gehabt, Baby, wir sind hier doch nicht im Privatfernsehen“ im Gedächtnis hängen geblieben. Aber seht selbst:

Auf das musikalische Intermezzo folgt ein Dialog mit Ralf Kabelka über den erhöhten Frauenanteil in der Autorenredaktion, der sich mit dem Zitat „Wir machen das klein, wir gehen damit nicht hausieren“ zwar gut anreißen, aber nicht zusammenfassen lässt. Unklar ebenfalls, was die hypothetische Fleurop-Bestellung bei der Sache soll – insgesamt war der Gag leider schlichtweg nicht zielführend. Außer, um in Erfahrung zu bringen, dass es bei BRAVO online sowohl eine Penis- als auch eine Vulvagalerie zu bestaunen gibt.

Besser dann der Gastauftritt von einem der (eigentlich gar nicht so) heimlichen Stars der Show in Form von Florentin Will, der erneut seine Paraderolle als Beefträger mimt. In der Sommerpause haben sich angeblich die Hass-Sendungen an die Redaktion dermaßen gehäuft, dass diese mit einem Beefbagger ins Studio gefahren werden. Natürlich insgesamt nur eine Überleitung zu einem der dieswöchigen Highlights: Das neue Musikvideo des P0L1Z1STENS0HNS. Dazu brauch ich nicht mehr viel sagen, denke ich. Ansonsten klickt einfach auf den Link, der zu dem Musikvideo im separaten Post führt. Vollgespickt mit zitatwürdigen Lines wie „Und die dicke Vera sitzt in Potsdam, guckt doof und weint“ oder „ProSieben so ‚Schlag den Raab!‘ – Challenge accepted“ lässt der Möchtegern Gangsterrapper seine Karriere in Bild und Ton nochmal Revue passieren und sagt so nochmal aus, was Böhmermann bereits in einem Facebook-Live-Q&A schon mal schön ausgedrückt hat. Wenn die Reaktionen auf das Schmähgedicht absehbar waren, warum hat er es dann gemacht? Weil das sein Job ist. Alleine schon die letzte Einstellung, die hier auch als Beitragsbild dient, macht das Video sehenswert.

Um die Nutzung eines noch so albernen Internetmems nicht verlegen, sitzt Jan nun wieder hinter seinem Schreibtisch und stellt sich laut die Frage „Was war das für 1 Sommerloch?“ Hierbei handelt es sich eindeutig um das nächste Highlight der Sendung. Vom Mittelfinger von Sigmar Gabriel über Alexander Gaulands Zitat der rechtsradikalen Band „Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten“, dem Brexit, Künasts unangebrachte Polizeikritik, bis hin zu Olympia. Also dem Einkaufszentrum in München. Es ist tatsächlich viel passiert in den heißesten Monaten des Jahres. Viel zu viele relevante Themen, die ausgereicht hätten, zwei Shows die Woche zu produzieren. Der einzige, der unverfälscht und sommerlochmäßig abgeliefert hat, sei Sigmar Gabriel gewesen, denn:

https://www.facebook.com/neomagazinroyale/posts/875326155931223

Abschließend dann der Gast, der wie immer einem Münzwurf gleich kommt. Mit Wolfgang Bosbach fiel die Münze diese Woche leider auf die falsche Seite – aber wie sagte die Bauchbinde in einem Moment so schön: „Immer noch besser als Drumpf“. Einzig interessant war wie an Hand des BRs Böhmermann die Verflechtungen der Politik mit den Öffentlich-Rechtlichen anspricht, worauf Wobo süffisant lachte und sagt, sie seien damit sehr zufrieden. Nächste Woche kommt dann die mir unbekannte Schweizer Komikerin Hazel Brugger. Ich bin gespannt, hoffentlich steht uns damit nicht eine weitere Niete wie diese Woche oder etwa Ronja von Rönne ins Haus.

Fazit:

Insgesamt ein gelungener Einstand. Standup und Gast sind ja häufig sehr durchwachsen, so war es auch diesmal. Das vorproduzierte Video und die Varoufake-Referenz mit Gabriel allein haben diese Show jedoch bereits für mich sehenswert gemacht.

Falls jetzt jemand die Show selbst sehen möchte, hier die Link in die Mediathek.

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